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Kortison bei Diabetes

Experten-Tipps

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Prof. Dr. med. Martin Pfohl ist Chefarzt der Allgemeinen Inneren Medizin, Diabetologie und Endokrinologie am BETHESDA Krankenhaus in Duisburg.

„Seit ich mit Kortison behandelt werde, schwanken meine Blutzuckerwerte. Woran liegt das, und wie kann ich es in den Griff bekommen?“

Prof. Dr. Martin Pfohl: Kortison wird im Therapiealltag vielfältig eingesetzt, zum Beispiel bei Asthma, rheumatischen Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes und bei allergischen Reaktionen aller Art. Wenn es über einen längeren Zeitraum eingenommen wird, beeinflusst es den Stoffwechsel. Auch eine einmalige, sehr hohe Kortisongabe kann eine Stoffwechselentgleisung auslösen. Kortison verursacht unter anderem eine Steigerung der Glukoseproduktion in der Leber und verringert die Glukoseaufnahme in die Muskulatur. Langfristig führt eine Kortisongabe zu Muskelabbau, wodurch weniger Glukose verbraucht wird. Alle diese Faktoren bewirken, dass der Blutzucker steigt. Hinzu kommt, dass Kortison hungrig macht. Man entwickelt einen regelrechten Heißhunger auf kohlenhydratreiche Mahlzeiten, vor allem auf Süßes. Dies wiederum kann sich auf das Gewicht auswirken. Zum einen können Sie hier vom Verhalten gegensteuern. Ein wichtiger Punkt ist die Ernährung: Wenn Sie eine zeitlich befristete Kortisontherapie bekommen, sollten Sie in dieser Zeit besonders auf die Kohlenhydrate achten und dem „Heißhunger“ nicht nachgeben. Nehmen Sie viele Ballaststoffe zu sich und bewegen Sie sich viel, wenn es irgendwie geht, um die Muskulatur intakt zu halten. So können Sie den Glukoseverbrauch beeinflussen, ohne mit großen Mengen Insulin gegensteuern zu müssen.

Zum anderen muss die Diabetestherapie unter der Kortisongabe angepasst werden. Bei Typ-1-Diabetes kann dies schwierig sein, dazu gibt es auch nur wenige Studien. Man muss auf jeden Fall damit rechnen, dass der Insulinverbrauch deutlich zunimmt. Meiner Erfahrung nach steigt er bei einer höheren Dosis Prednisolon-Äquivalent um etwa 0,2 bis 0,4 Einheiten pro kg/Körpergewicht an. Bei einer kürzeren Kortisonbehandlung lässt sich das über den Korrekturfaktor ausgleichen. Wenn länger als 14 Tage mit Kortison behandelt wird, steigt zusätzlich der Bedarf an Basalinsulin. Basal- und Bolusinsulin müssen entsprechend angepasst werden. Meine Empfehlung: Im Blutzuckerbereich zwischen 100 bis 200 mg/dL (5,5 bis 11,1 mmol/L) etwa 10 Prozent, im Bereich darüber etwa 20 Prozent mehr spritzen. Dies sollten Sie in jedem Fall mit Ihrem Arzt absprechen. Wenn Sie eine Insulinpumpe tragen, können Sie die Basalrate entsprechend anpassen.

Ein letzter Punkt noch: Die Gabe von Kortison kann auch einen Diabetes auslösen. Man spricht dann von einem „Steroiddiabetes“. Davon sind Patienten betroffen, die bereits eine genetische Veranlagung für Typ-2-Diabetes haben. Wenn sie über einen Zeitraum von mehr als 14 Tagen Kortison bekommen, ist es möglich, dass der Diabetes „offen gelegt“ wird. Medizinisch handelt es sich um einen Diabetes vom Typ 3. Er muss entsprechend therapiert werden. Nach Absetzen des Kortisons kann der Steroiddiabetes verschwinden – oder er bleibt in einer milden Form weiter bestehen.

Kategorie: Folgeerkrankungen

Schlagwörter: Blutzuckerschwankung | Kortison | Steroiddiabetes | Stoffwechselentgleisung

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