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Die Schilddrüse: Kleines Organ mit großen Aufgaben

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So klein wie eine Walnuss und geformt wie ein Schmetterling: Das ist die Schilddrüse. Versteckt liegt sie vor der Luftröhre unter dem Kehlkopf. Wäre der Körper ein Orchester, so könnte man sich die Schilddrüse als den Dirigenten vorstellen. Sie produziert Hormone, die das Herz-Kreislauf- System, die Verdauung, den Knochenaufbau, den Zellstoffwechsel und das Nervensystem beeinflussen. Die Regulation erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Hypothalamus und der Hirnanhangdrüse, die das Hormon TSH ausschütten. Wenn der TSH-Spiegel steigt, produziert die Schilddrüse als Antwort darauf die Hormone T3 und T4. Umgekehrt hemmt Thyroxin (T3 und T4) die TSH-Produktion. So bleibt der Hormonspiegel normalerweise auf einem konstanten Niveau. Für Menschen mit Diabetes ist das wichtig, denn von den Schilddrüsen-Hormonen hängt es unter anderem ab, wie die Zellen Sauerstoff und Zucker aufnehmen können. So beeinflusst die Schilddrüse auch die Blutzuckerwerte.

Jeder Zweite betroffen
Beim Deutschen Diabetes Kongress in Leipzig 2013 hat Privatdozentin Dr. med. Wilgard Hunger-Battefeld Zahlen vorgestellt, die für sich sprechen: Bei einer aktuellen Untersuchung der Universität Jena zeigte von 218 Typ-1-Diabetikern die Hälfte auffällige Schilddrüsen-Antikörper, die auf eine Erkrankung hindeuten. Im Schnitt trat eine Schilddrüsenerkrankung 16 Jahre nach Enstehung des Typ-1-Diabetes auf. Rund 40 Prozent der untersuchten Frauen waren betroffen, bei den Männern dagegen „nur“ 20 Prozent.

Unterfunktion: Niedrige Werte
Besonders häufig erkranken Diabetiker an einer chronischen Schilddrüsenentzündung (Hashimoto Thyreoiditis). Wie der Typ-1-Diabetes ist sie eine Autoimmunerkrankung. Unbehandelt führt sie langsam aber sicher zu einer Zerstörung des Schilddrüsengewebes. Dieser Prozess tut nicht weh und kann sich unbemerkt über eine längere Zeit entwickeln. Die chronische Entzündung ist die häufigste Ursache für eine Unterfunktion der Schilddrüse mit gravierenden Auswirkungen auf den Diabetes: Sie führt dazu, dass die Insulinempfindlichkeit der Zellen steigt und damit das Insulin die Glukose besser in die Zellen transportieren kann. Dadurch besteht ein erhöhtes Risiko für Unterzuckerungen. Behandelt wird die Unterfunktion mit Tabletten, die ein Schilddrüsenhormon enthalten. Sie müssen unter Umständen lebenslang eingenommen werden. Die Therapie ist nicht aufwändig und meist ohne Nebenwirkungen, aber wirksam: Wenn sich die Schilddrüsenfunktion normalisiert, kann der Blutzucker wieder besser kontrolliert werden.

Überfunktion: Hohe Werte
Wie die Unterfunktion kann sich auch die Überfunktion der Schilddrüse unbemerkt über eine längere Zeit entwickeln. Häufigste Ursache dafür sind hier sogenannte „heiße Knoten“ der Schilddrüse. Ebenfalls zu einer Überfunktion führt die Erkrankung „Morbus Basedow“– eine Autoimmunerkrankung, die bei Typ-1-Diabetikern häufiger auftritt. Bei einer Schilddrüsen- Überfunktion steigt der Insulinbedarf, während die Insulinempfindlichkeit sinkt. Dies kann zu einem höheren HbA1c- Wert führen, der sich scheinbar nicht erklären lässt. Schon eine milde Überfunktion kann sich auf das Herz-Kreislauf-System auswirken und Vorhofflimmern sowie Herzrhythmusstörungen verursachen. Besteht die Überfunktion schon länger und wird sie nicht behandelt, kann es sogar zu Stoffwechselentgleisungen kommen. Die Therapie erfolgt über Glukokortikoide, deren Anwendung sorgfältig und engmaschig überwacht werden muss. In bestimmten Fällen kann auch eine Operation oder eine Behandlung mit Radiojod notwendig sein.

 

Kategorie: Folgeerkrankungen

Schlagwörter: Organ | Schilddrüse | Überfunktion | Unterfunktion | Vorsorge

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