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Mein Fels in der Brandung

© Foto: privat

Blicke ich auf meine Kindheit zurück, so waren es immer meine Eltern, die mich mit dem Diabetes unterstützten. Seit ich mit acht Jahren daran erkrankte, taten sie alles in ihrer Macht stehende, um mir eine normale Kindheit zu ermöglichen. Ich war an meinen stillen Begleiter gewöhnt und fühlte mich wie ein normales Kind. Richtig bewusst wurde mir der Diabetes erst, als ich von Zuhause auszog. Von einem auf den anderen Tag trug ich die volle Verantwortung für die Erkrankung und mein Leben. Ich musste nicht nur lernen, meinen Alltag zu organisieren und einen Haushalt zu führen – ich musste auch den Diabetes alleine managen. Selber kochen und alles richtig berechnen, Sorge dafür tragen, dass immer genug Teststreifen und Katheter verfügbar sind, und nachts aufpassen, dass ich nicht unbemerkt unterzuckere. Neben den Verpflichtungen in der Uni hat mich all das schlicht überfordert. Mein HbA1c-Wert verschlechterte sich rapide.

„Sechser im Lotto“
Mein großes Glück ist mein Partner, den ich vor fünf Jahren kennenlernte. Schon bei unserem ersten Treffen bemerkte er meine Insulinpumpe, die aus der Hosentasche guckte. Patrick informierte sich und als ich ihm ein paar Tage später mein „Geheimnis“ verriet, wusste er besser Bescheid als manch ein Mediziner. So wie meine Eltern mir eine normale Kindheit ermöglicht hatten, ermöglichte er mir eine nahezu normale Zeit als junge Erwachsene. Trotz Diabetes konnte ich feiern und Alkohol trinken, weil er nüchtern blieb, um nachts meinen Blutzucker zu messen. Wo andere Menschen mir meine Grenzen aufzeigten, überschritt er diese mit mir gemeinsam und verschaffte mir damit mehr Selbstvertrauen als je zuvor. Er ging mit mir in den Bergen wandern und trug mich huckepack wieder runter, als ich unterzuckerte. Wenn wir verreisen, übernimmt er den Rucksack mit dem kompletten Diabetes-Notfall-Bedarf, damit ich auch mal eine kleine Handtasche tragen kann. Unzählige Nächte haben wir zusammen wach gelegen, weil meine Werte zu hoch waren. Statt zu stöhnen, weil er keinen Schlaf bekommt, verwandelt er die „Keto-Nächte“ in wunderbare Filmabende mit Cola light. Er fastet mit mir, wenn ich einen Basalratentest machen muss, bringt mich zum Lachen, wenn ich aufgrund einer Hypo lethargisch bin und tanzt mit mir durch die Wohnung, wenn der HbA1c-Wert stimmt. Er baut mich auf, wenn ich beim Setzen des Katheters weinend auf dem Bett sitze, weil mir bewusst wird, dass ich doch anders bin als alle anderen, und vermittelt mir trotz Pumpe, Katheter, Schläuchen und Narben das Gefühl, die schönste Frau auf Erden zu sein. Für ihn ist der Diabetes kein Makel, sondern ein Teil von mir.

Kategorie: Recht & Soziales

Schlagwörter: Akzeptanz | Partner | Typ-F-Diabetiker

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