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Wodurch entsteht die Neuropathie?

Sie fragen – Experten antworten

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Unsere Experten: Dr. Katharina Gaede, Allgemeinmedizinerin und Diabetologin DDG, und Dr. Andreas Klinge, Internist und Diabetologe DDG. Beide sind in der Gemeinschaftspraxis Hamburg-Eidelstedt

tätig.

Die diabetische Neuropathie ist eine Sammelbezeichnung für alle nichtentzündlichen Erkrankungen des peripheren Nervensystems, also der Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Wodurch ensteht die Neuropathie?
Dr. Klinge: „Durch dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte können die Nerven geschädigt werden. Infolgedessen wird die Reizweiterleitung gestört, und es kann zu Empfindungsstörungen kommen.“

Welche sind das?
Dr. Gaede: „Das können Missempfindungen wie Stechen, Brennen oder Kribbeln der Haut sein. Viel häufiger kommt es aber zu Sensibilitätsstörungen wie Taubheitsgefühl, Temperatur- oder Schmerzunempfindlichkeit. Die Betroffenen spüren weder Schmerz noch Hitze. Problematisch wird dies, wenn kleine Verletzungen oder Fremdkörper nicht wahrgenommen werden und sich entzünden. Am häufigsten tritt eine Schädigung der Nerven an den Füßen auf. Wir sprechen dann vom sogenannten diabetischen Fuß.“

Wie hoch ist das Risiko und wird das routinemäßig untersucht?
Dr. Klinge: „Etwa ein Drittel aller Diabetiker ist im Verlauf der Erkrankung betroffen. Standardmäßig wird jeder Patient einmal jährlich darauf untersucht. Die Untersuchung erfolgt mit einem Monofilament und einer Stimmgabel. Beim Monofilament handelt es sich um ein neurologisches Untersuchungsinstrument, bestehend aus einem einzelnen, relativ steifen Kunststofffaden, der auf die Haut gedrückt wird und bei einer festgelegten Kraft umknickt. Sind die Nerven geschädigt, wird eine Berührung damit nicht oder kaum wahrgenommen. Als weiteres Untersuchungs-Tool wird eine Stimmgabel angeschlagen und an den Fuß gehalten. Der Patient gibt an, wie lange er die Vibration spürt. Auf einer Skala lässt sich dann ablesen, ob eine Nervenschädigung vorliegt und wie weit fortgeschritten diese ist. Die Neuropathie entwickelt sich sehr langsam und bei jährlicher Kontrolle kann man den Verlauf gut erkennen.“

Welche Möglichkeiten gibt es, wenn bereits Schädigungen vorliegen?
Dr. Gaede: „Um weitere Verletzungen zu vermeiden, sollten Patienten mit geschädigten Nerven die Fußpflege einem Experten überlassen. Der Arzt verordnet hierzu den regelmäßigen Besuch beim Podologen oder der Podologin.“

Kann man sonst noch etwas tun?
Dr. Gaede: „Gutes, vor allem nicht zu enges Schuhwerk ist wichtig. Auch sollte man regelmäßig selbst seine Füße untersuchen. Die Teilnahme an einer Schulung ist ebenfalls hilfreich.“ Dr. Klinge: „Bei kleinen Wunden sollte umgehend ein Arzt oder eine spezielle Fußsprechstunde aufgesucht werden. Denn die Neuropathie ist der Wegbereiter für eine Infektion, die dann ihrerseits Komplikationen nach sich ziehen kann.“

Kann man eine Neuropathie durch eine gute Blutzuckereinstellung vermeiden?
Dr. Klinge: „Das ist eine gute Frage, denn es gibt nicht immer einen klaren Zusammenhang, so wie zum Beispiel bei Augenhintergrunds- oder Nierenveränderungen. Während die Symptome an Augen und Nieren sich durch eine gute Blutzuckereinstellung wieder verbessern, ist das bei geschädigten Nerven am Fuß nicht immer der Fall.“

Kategorie: Folgeerkrankungen

Schlagwörter: Folgeerkrankungen | Neuropathie

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