Zurück

Was tun bei Laktose-Intoleranz?

Was ist eigentlich Laktoseintoleranz?

© gzorgz - Fotolia.com

Laktose-Intoleranz ist die Unverträglichkeit von Milchzucker. Sie wird hervorgerufen durch das fehlende oder nicht in ausreichendem Maße vorhandene Enzym Laktase. Laktase ist ein Verdauungsenzym, das in der Schleimhaut des Dünndarms vorkommt und dort den Milchzucker aufspaltet. Funktioniert alles nach Plan, wird der Milchzucker in Glukose und Galactase geteilt und kann so ins Blut aufgenommen werden. Gibt es kein Laktase-Enzym oder ist es nur geringen Mengen vorhanden, wandert der Milchzucker ungespalten im Darm weiter, wird von Bakterien aufgenommen und als Gas wieder freigegeben – daher rühren dann die Bauchschmerzen, die Blähungen, Durchfall, Übelkeit etc.

Menschen aus Asien oder Afrika vertragen Milchprodukte meist viel schlechter als Europäer. Sie haben oft eine primäre Unverträglichkeit, das heißt, sie können den Milchzucker von Geburt an nicht oder nicht richtig verarbeiten. Europäer, wobei es hier ein Nord-Süd-Gefälle gibt, haben meist eine sekundäre Unverträglichkeit; sie haben die Unverträglichkeit erst im Laufe der Zeit erworben.

Die Laktose-Intoleranz kann allein auftreten, aber auch Begleiterscheinung einer anderen Krankheit sein. So kann eine Laktose-Intoleranz bei Zöliakie und Morbus Crohn begleitend hinzukommen. Hier gibt es übrigens eine Verbindung zum Diabetes, da Menschen mit Typ-1-Diabetes häufiger von Zöliakie betroffen sind als die übrige Bevölkerung.

Ein Muss: den Speiseplan umstellen
Eigentlich ist es ja ganz einfach: Wer keinen Milchzucker verträgt, isst keinen. In der Praxis ist das meist nicht so problemlos möglich. In purer Milch (auch in Schaf- und Ziegenmilch) ist natürlich Milchzucker enthalten, aber in vielen anderen Lebensmitteln ist das nicht so offensichtlich: Auch Schinken und Zahnpasta enthalten Milchzucker.

Diese Übersicht kann einen ersten Eindruck vermitteln, welche Lebensmittel wie viel Milchzucker enthalten:

Hoher Anteil an
Milchzucker
Niedriger Anteil an Milchzucker Ohne Milchzucker
Milch, Sahne, Milcheis, Kondensmilch Viele Fertigprodukte (Kuchen und Torten, Gebäck und Plätzchen) Joghurt, Dick- und Buttermilch, Quark, Käse, Butter Obst, Gemüse, Getreide, Eier, Fleisch, Fisch, Geflügel, Honig, Marmelade, Fruchtzucker Kartoffel, Reis, Nudeln

Welche Lebensmittel mit Milchzuckeranteil trotz Intoleranz vertragen werden, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt davon ab, wie ausgeprägt die Unverträglichkeit ist. Als Faustregel gilt, dass Menschen mit einer leichten Unverträglichkeit ca. 8 Gramm Milchzucker pro Tag zu sich nehmen können, und Menschen mit einer starken Unverträglichkeit 1 Gramm nicht überschreiten sollten. Zum Vergleich: „Normalerweise“ nimmt man zwischen 20 und 30 Gramm Milchzucker pro Tag über die Nahrung auf. Die laktoseärmeren Lebensmittel werden bei einer mittleren Unverträglichkeit oft gut vertragen, starke Reaktionen gibt es häufig nur auf den Konsum purer Milch. Lebensmittel, die nicht vertragen werden, können durch andere Produkte ersetzt werden – statt Milch oder Sahne kann man Sojamilch oder Sojacreme verwenden, und wer auf den typischen Milchgeschmack nicht verzichten will, findet mittlerweile im Supermarkt auch laktosefreie Kuhmilch. Tückisch sind oft Fertiggerichte. Bei den Inhaltsstoffen wird Milchzucker häufig nicht angeführt, obwohl er enthalten ist. Man muss deshalb erst lernen, die Packungsbeilage zu entschlüsseln. Aufpassen sollten Sie, wenn folgende Stoffe enthalten sind:

  • ganz offensichtlich: Laktose oder Lactose, Laktosemonohydrat, (Voll- oder Mager-) Milchzucker, -pulver, entrahmte Milch, (süße oder saure) Sahne
  • ein wenig versteckter: (süßes oder saures) Molke(pulver), Sahnepulver, Rahm, Butter, Schokolade, Schokoladenzubereitung, Zuckerstoffe

Inzwischen gibt es Laktase auch als Tabletten, Pulver und Tropfen. Damit kann man vor allem beim Essen außer Haus sicher sein, keine Beschwerden zu bekommen. Damit man genug Kalzium aufnimmt, sollte man mit Kalzium angereicherte Sojamilch oder ggf. Fruchtsäfte verwenden, und es gibt kalziumreiche Mineralwässer.

Verdacht oder Tatsache? Laktose-Intoleranz testen
Sie haben den Verdacht, dass auch Sie eine Laktose-Intoleranz haben? Ein Test bringt Sicherheit. Eine Laktose-Intoleranz kann auf verschiedene Weisen getestet werden: Eine Möglichkeit ist der H2- Atemtest, bei dem man Wasser mit aufgelöster Laktose trinkt und dann in regelmäßigen Abständen mit Hilfe eines Atemgeräts die Unverträglichkeit bestimmt werden kann. Es gilt allerdings als erwiesen, dass dieser Test nicht zu 100 Prozent sicher ist – auch bei einem negativen Test ist also eine Laktose-Intoleranz nicht auszuschließen. Außerdem kann man einen Bluttest machen lassen. Dafür muss man ebenfalls eine mit Laktose angereicherte Flüssigkeit trinken, per Bluttest wird die Verträglichkeit geprüft. Wer zunächst einen Selbsttest durchführen möchte, kann 14 Tage lang komplett auf laktosehaltige Lebensmittel verzichten. Verschwinden die Beschwerden, könnte das an der laktosefreien Ernährung liegen. Diese Methode sollte aber ebenfalls mit dem Arzt abgestimmt und begleitet werden. Sicherste, aber zugleich auch aufwendigste und teuerste Methode ist eine Dünndarmbiopsie, hier wird eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm entnommen und getestet.

Kategorie: Ernährungsweisen

Schlagwörter: Laktose Intoleranz | Laktosefrei | Laktosefreie Produkte | Milchzucker | Unverträglichkeit

Diabetes & Ernährung

Ohne Laktose? Was Diabetiker wissen sollten

Die meisten Menschen würden es vermutlich gar nicht bemerken, wenn man plötzlich laktosefreie Milch in den morgendlichen Kaffee oder ins Müsli gibt.

Die meisten Menschen würden es vermutlich gar nicht bemerken, wenn man plötzlich laktosefreie Milch in den morgendlichen Kaffee oder ins Müsli gibt.

mehr lesen...

Nonstop messen: Was CGM-Systeme leisten können

CGM ist die englische Abkürzung für „kontinuierliche Glukosemessung“. Wo ist ihr Platz in der Diabetestherapie?

CGM ist die englische Abkürzung für „kontinuierliche Glukosemessung“. Wo ist ihr Platz in der Diabetestherapie?

mehr lesen...

Im Trend: Intervall-Fasten Teil II

Verführerisch: Der Abend ist für viele der entspannteste Teil des Tages und jene Zeit, zu der die Familie gemeinsam am Tisch sitzt.

Verführerisch: Der Abend ist für viele der entspannteste Teil des Tages und jene Zeit, zu der die Familie gemeinsam am Tisch sitzt.

mehr lesen...