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Essen mit gutem Gewissen: Vegetarisch und vegan

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Rund sieben Millionen Menschen in Deutschland leben vegetarisch, hat das Institut für Demoskopie in Allensbach 2013 herausgefunden. 900 000 Deutsche gehen sogar noch weiter. Sie verzichten konsequent auf Nahrungsmittel tierischer Herkunft und ernähren sich vegan: Kein Fleisch, keine Wurst, kein Käse, keine Eier, keine Kuhmilch, kein Honig – statt dessen ausschließlich pflanzliche Alternativprodukte. Marcel W. hat es drei Monate lang ausprobiert. Nicht aus Gewissensgründen, wie das viele Veganer tun, sondern für seinen Diabetes. „Ich habe gerne und viel Fleisch gegessen“, erzählt er. „Ich hatte aber regelmäßig das Problem, dass die Blutzuckerwerte Stunden nach dem Essen unvorhersehbar in die Höhe geschossen sind.“ Die Basalrate der Insulinpumpe erwies sich als ok, auch mit dem verzögerten Bolus kam Marcel nicht weiter. Ein Gast brachte ihn schließlich auf die Idee, es mit veganer Ernährung zu probieren. Dass Marcel von Beruf Koch ist und gerne experimentiert, war eine zusätzliche Motivation. Trotzdem: „Für mich war das komplettes Neuland“, sagt er. „Aber es hat viel Spaß gemacht, sich in das Thema einzuarbeiten.“

Pflanzliche Alternativen
Pflanzliche Alternativen zu tierischen Produkten findet man am ehesten im Reformhaus. Dort hat sich Marcel W. erst einmal umgesehen: Aufschnitt und Bratlinge ohne Fleisch, spezielle Ei-Ersatzprodukte, Allerlei aus Nüssen, Sojamilch und -joghurt, Käseimitate, Agavendicksaft zum Süßen und viele Getreidesorten. Das Angebot ist groß und wächst ständig, denn der Markt stellt sich auf den Bedarf ein. So kennzeichnen viele Hersteller ihre Produkte inzwischen als „vegetarisch“ oder „vegan“. Beim Kochen hat sich Marcel W. von Büchern anregen lassen und war erstaunt, was sich aus den rein pflanzlichen Zutaten alles zaubern lässt. An seinem Arbeitsplatz allerdings musste der Koch dann doch ein Auge zudrücken, denn hier steht „ganz normale“ Küche auf dem Speiseplan. Auch Gerichte mit Fleisch und Milchprodukte müssen abgeschmeckt werden. „War für mich aber kein Problem“, meint er, „denn ich habe die vegane Ernährung ja nicht als Gewissensfrage gesehen. Und mein Chef hat auch Rücksicht genommen.“

Positive Effekte
Welchen Effekt hatte das Experiment auf den Blutzucker? Marcel W. war positiv überrascht von seinem Selbstversuch. Der unkalkulierbare Anstieg des Blutzuckers, wie er ihn beim Genuss von Fleisch und Wurst erlebt hat, verschwand praktisch vom ersten Tag an. Sein HbA1c -Wert verbesserte sich von 8,4 % auf 7,2 %. Die Basalrate konnte er um fast ein Drittel reduzieren. „Im ersten Monat musste ich die Basalrate fast täglich neu anpassen“, erzählt er. Und er hat mehr als zehn Kilo abgenommen, „ein kleiner Nebeneffekt sozusagen“, wie er meint. Komplett vegan ernähren will er sich aber in Zukunft nicht. „Einen Tag pro Woche Fleisch oder Fisch muss schon drin sein“, sagt er. „Lieber weniger, dafür mehr Qualität.“

Gesünder leben
Ob vegetarisch oder vegan, ob vollkommener Verzicht auf tierische Produkte oder die Reduzierung des Konsums: Abgesehen vom ethisch-moralischen Aspekt bedeutet dies, sich bewusster mit Ernährung zu beschäftigen und gesünder zu leben. Auch mit Vorteilen für die Stoffwechseleinstellung. Das muss nicht aufwändig sein. Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte, die in der fleischlosen Küche eine große Rolle spielen, sind im Supermarkt günstig zu haben und können in den Speiseplan eingebaut werden. Wer Neues entdecken will, findet im Reformhaus Alternativen, aus denen sich vielseitige Gerichte zubereiten lassen. Dazu gehören zum Beispiel Tofu und Kichererbsen sowie Getreide wie Bulgur, Amaranth und Quinoa, die hierzulande noch weitgehend unbekannt sind. Reich an Ballast und Mineralstoffen, lassen sie den Blutzucker nur langsam ansteigen. Ideal für die Ernährung bei Diabetes. Wer es einfacher mag, kann im Reformhaus oder Supermarkt auf Fertigprodukte zurückgreifen. Dazu gehören zum Beispiel Bratlinge und „fleischlose Schnitzel“, Brotaufstriche oder Dinkel im Kochbeutel. Viele Produkte versuchen, Fleisch in Geschmack und Aussehen nachzuahmen. Das soll den Umstieg erleichtern.

Bewusster Verzicht
Für Marcel W. steht fest, dass er seine Ernährung auf Dauer umstellen will – seinem Diabetes zuliebe. „Ich bin 24“, sagt er, „und will möglichst noch viele Jahre ohne Folgeerkrankungen leben. Dafür verzichte ich gerne auf Fleisch und esse statt dessen einen Grünkernbratling.“

Kategorie: Ernährungsweisen

Schlagwörter: Vegan | Vegetarisch

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