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Akzeptanz mit Haut und Narben

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Ich habe sehr helle Haut - die Spuren von noch so kleinen Verletzungen sieht man noch lange Zeit. Mein Körper ist gespickt von Muttermalen, vielen rosaschimmernden Dehnungsstreifen und dem ein oder anderen Haar, das mein Rasierer offensichtlich länger nicht erwischt hat. In irgendeiner Form ist mein Körper ziemlich normal. Irgendwie durchschnittlich, nur mit unterdurchschnittlicher Bemuskelung und überdurchschnittlicher Sensitivität. Ich bin – im wahrsten Sinne des Wortes – dünnhäutig. Akzeptanz für diesen – meinen – Körper aufzubringen ist ein anhaltender Prozess, der manchmal wirklich, wirklich hart ist. Denn auch wenn ich schreibe, ich sähe meinen Körper als „normal“, gibt es immer wieder die Momente, wo ich mich frage, was sich die Natur bei dieser oder jener Delle eigentlich gedacht hat.

Doch wegen meines Typ-1-Diabetes war das noch nicht alles. Bereits zu Beginn meiner Diabetes-Therapie, die ganz klassisch aus mehrmaligem täglichen Blutzuckermessen mit Fingerpiks und Insulin-Injektionen mit Insulinpen begann, lernte ich, dass besondere „Kampfspuren“ fortan dazu gehören würden. Ich hatte immer wieder blaue Flecken nachdem ich Insulin gespritzt habe und meine Fingerbeeren waren übersät mit kleinen schwarzen Punkten, die von Zeit zu Zeit auch wirklich wehtaten. Es gab Tage, da brauchte ich bis zu einer halben Stunde, um mich zu überwinden, mir wiederholt in den Finger zu stechen. Bestimmt ist das einer der Gründe dafür, dass meine psychische Gesundheit auch viel mit meinem Typ-1-Diabetes-Management zu tun hat.

Von der Zeit der ICT habe ich – auch heute noch – Lipohypertrophien an den damaligen Lieblingsspritzstellen. Mit der Entwicklung und Änderung meiner Diabetes-Therapie kamen dann Pflasterreste und Klebstoff-Unverträglichkeiten hinzu. Auf einmal ging es meinen Fingern zwar deutlich besser, dafür juckte und brannte es am Bauch und Oberarm. Weitere Therapiesystem-Wechsel ließen aber auch die immer mehr in den Hintergrund treten.

An den meisten Tagen vergesse ich, dass mein Körper mal anders aussah. Irgendwie ist es okay, dass das alles da ist – von an mir klebenden Infusionssets, Glukosesensoren bis hin zu den Spuren, die sie nun einmal hinterlassen. Insbesondere über den Winter tritt das alles in den Hintergrund.

Aber jetzt wird es wieder wärmer. Es gab bereits Tage, an denen ich hätte nur im T-Shirt rausgehen können – für einen Solospaziergang in Zeiten von Corona. Und irgendwie fällt mir zu dieser Jahreszeit immer wieder aufs Neue auf, dass meinen Körper Dinge zieren, für die ich keine richtige Bezeichnung finde. Dinge, mit denen ich mich erstmal wieder anfreunden muss. Und das erzähle ich, weil ich glaube, dass es nicht nur mir so geht. Manchmal ist es einfach wie ein kurzes Erwachen: Oh, da war ja was – Diabetes ist doch nicht immer unsichtbar. Wegen meines Diabetes bin ich selten ganz nackt – und dadurch auch selten ganz frei.

Sich in seiner Haut wohlzufühlen hat so viele Facetten. Es stecken so viele innere Auseinandersetzungen dahinter. Bei Menschen mit und ohne Diabetes. Ich freue mich für alle, für die das Ganze „no big Deal“ ist, aber gleichzeitig hoffe ich, dass im Umkehrschluss auch endlich akzeptiert wird, dass einige sich solche Gedanken machen wie ich.

Es klingt abgedroschen: Aber wir sind alle okay so, wie wir sind. Mit Haut und Narben. Und allen Spuren, die unser Leben hinterlässt.

Katharina Weirauch

Kategorie: Pflege

Schlagwörter: Einstichstelle | Haut | Hautschutz | Narben

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