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Lipohypertrophien

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Unser Experte: Dr. med. Markus Menzen, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin, Diabetologie im Gemeinschaftskrankenhaus Bonn

Lipohypertrophien sind Fettgewebeveränderungen unter der Haut, die bei Insulin spritzenden Diabetikern im Bereich der Injektionsstellen auftreten können. Wie hoch ist das Risiko für die Entstehung?
Dr. Menzen: „Es verhält sich so, dass Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer, schlanke Menschen leiden eher darunter als solche, die ein paar Kilo mehr auf die Waage bringen. Grundsätzlich hat aber jeder, der Insulin spritzt, ein gewisses Risiko. Denn Insulin ist ein Wachstumshormon, und in dem Moment, in dem ich es in Fettgewebe hineinspritze, wird dort Wachstum angeregt.“

Wie lassen sich Lipos vermeiden?
Dr. Menzen: „Die Entstehung hängt so gut wie immer mit der Art und Weise der Injektion zusammen. Wer immerzu in dieselbe Stelle spritzt, hat dort dauerhaft eine viel höhere Insulinkonzentration. Die Entstehung einer Lipohypertrophie ist also wahrscheinlicher. Zur Vermeidung ist es wichtig, die Injektionsstelle regelmäßig zu wechseln bzw. ausreichend Platz zwischen den Spritzstellen zu lassen.“

Gilt das auch für Insulinpumpen-Träger?
Dr. Menzen: „Auch mit einer Pumpe lässt sich der Applikationsort variieren. Bestenfalls sollte bei jedem erneuten Anlegen des Infusionssets ein Abstand von mindestens drei Zentimetern eingehalten werden.“

Auch wenn die meisten ja irgendwie eine Lieblingsstelle haben?
Dr. Menzen: „Das Spritzen in eine Lipo ist häufig angenehmer. Insbesondere, wenn man sehr schlank ist, wirkt die kleine Delle wie ein Kissen. Denn an dieser Stelle werden Nervenfasern durch Fettzellen zur Seite gedrängt, die Injektion ist weniger spürbar.“

Kann eine Lipohypertrophie auch Ursache einer schlechten Diabeteseinstellung sein?
Dr. Menzen: „Ja, dadurch, dass die Fettzellen sich vermehren, wird das Insulin deutlich schlechter aufgenommen und kommt nur verzögert dort an, wo es ankommen soll. Das kann dazu führen, dass viel mehr Insulin gespritzt werden muss, als notwendig wäre. Wer über einen längeren Zeitraum viel Insulin in eine Lipo gespritzt hat und dann wechselt, sollte die Dosis zunächst unbedingt verringern. Wenn die Diabeteseinstellung schwierig wird, sollte man immer auch an eine Lipohypertrophie denken.“

Was kann man sonst noch tun?
Dr. Menzen: „Diabetiker können sich auch selbst untersuchen: So etwa, indem sie von oben an sich herunterschauen, auf kleine Erhöhungen achten und Spritzstellen auf Verhärtungen abtasten. Um zusätzliche Verletzungen zu vermeiden, sollte auch die Nadel nach jeder Injektion gewechselt werden. Außerdem hat sich in Studien gezeigt, dass bei Verwendung kürzerer Nadeln deutlich weniger Lipos aufgetreten sind.“

Verschwinden die unschönen Knubbel auch wieder?
Dr. Menzen: „Ja. Wer konsequent die verdickte Stelle meidet, wird nach ca. zwei bis drei Monaten eine Verbesserung feststellen. Es kann aber ein Jahr dauern, bis eine ausgeprägte Lipohypertrophie verschwunden ist.“

Kategorie: Hauterkrankungen

Schlagwörter: Hautgesundheit | Hautinfektion | Lipohypertrophie

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