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Neue Insuline in den Startlöchern

Unser Experte:

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Prof. Dr. med. Thomas Forst ist Geschäftsführer des Forschungsinstituts Profil in Mainz

ff: Herr Professor Forst, warum versucht man, Insuline weiter zu verbessern?
Prof. Dr. Forst: Die Insulintherapie ist noch zu weit weg von den Anforderungen des Körpers. Beim Gesunden wird in der Betazelle Insulin produziert und gelangt in die Blutbahn, gut abgestimmt auf den Blutzucker. Zu den Mahlzeiten wird Insulin schon ausgeschüttet, bevor der Blutzucker ansteigt. Wird Insulin dagegen ins Unterhautfettgewebe gespritzt, hat man andere Verläufe. Hier bräuchten wir Basalinsuline, die viel langsamer, und Mahlzeiteninsuline, die viel schneller wirken.

ff: Was bedeutet das konkret für Basalinsuline, also Insuline, die den Grundbedarf decken?
Prof. Dr. Forst: Basalinsuline sind nach wie vor nicht stark genug verzögert. Sie haben ein Wirkmaximum, das nicht da sein sollte, und sie wirken zu kurz. Vor allem zeigen sie eine starke Variabilität. Das bedeutet, sie wirken nicht immer gleich, weil die Aufnahme aus dem subkutanen Fettgewebe unterschiedlich ist. Dies hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel von der Umgebungstemperatur und der Hautdurchblutung. Die Wirkung kann durch diese Einflussfaktoren von Tag zu Tag um 20 bis 25 % variieren. Das möchte man natürlich gerne vermeiden.

ff: Welche Entwicklungen sind hier in nächster Zeit zu erwarten?
Prof. Dr. Forst: Ein Beispiel für ein weiter entwickeltes Insulin ist Tresiba (Handelsname „Degludec“). Es ist in Deutschland seit 2014 erhältlich. Tresiba wird einmal täglich gespritzt und soll bis zu 42 Stunden wirken. Das hat Vor- und Nachteile. Vorteil ist: Das Insulin braucht zwar eine Weile, bis die volle Wirkung eintritt, doch dann ist sie sehr konstant. Die Variabilität von Tag zu Tag ist viel geringer als bei den bisherigen Insulinen. Nachteil allerdings: Wenn man eine Dosiskorrektur vornehmen will, dauert es recht lange, bis sie sich bemerkbar macht. In den kommenden Monaten wird voraussichtlich auch eine Weiterentwicklung des Insulins Glargin (Handelsname „Lantus“) verfügbar sein – in einer Konzentration von U 300. Durch seine höhere Konzentration wirkt es länger und konstanter als das bisherige Insulin Glargin U 100.

ff: Gibt es noch weitere Basalinsuline in der Entwicklung?
Prof. Dr. Forst: Ein Beispiel möchte ich noch nennen, das auf einem anderen Ansatz beruht: Der Pegylierung von Insulin. Hier wird Insulin Lispro (Handelsname „Humalog“) mit einer langen Polyethylen- Glykol-Kette gekoppelt. Das Insulinmolekül wird von einem Wasserballen umhüllt und bläst sich auf. Dadurch ist es zu groß, um direkt in die Blutbahn zu gelangen. Statt dessen wird es über das Lypmphsystem in Richtung Leber transportiert. So erklärt sich die stark verzögerte Wirkung. In der Leber selbst bremst dieses Insulin stärker als jedes andere die Neubildung von Glukose. Es wirkt deutlich physiologischer. Das wird vor allem Diabetikern zu Gute kommen, die nachts viel Glukose in der Leber produzieren und deshalb morgens hohe Blutzuckerwerte haben. Das neue Insulin hat übrigens auch einen anderen interessanten Effekt: Die Patienten, die es verwenden, verlieren an Gewicht. Das haben alle bisherigen Studien gezeigt. Bis es auf den Markt kommt, werden allerdings noch mindestens zwei Jahre vergehen.

Kategorie: Forschung

Schlagwörter: Basalinsuline | Forschung | Insuline

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