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rtCGM mit Insulinpen?

© Privat

Welche Therapieform zu welchem Zeitpunkt die richtige ist, lässt sich nicht einfach beantworten. „Um wirklich zu wissen, welches System zu einem passt, ist es hilfreich, verschiedene Dinge auszuprobieren“, rät Janine Gerken. „Man kann nicht pauschal sagen, welches System besser ist. Denn die Menschen und ihre Bedürfnisse sind unterschiedlich.“ Janine Gerken weiß, wovon sie spricht. Die Diabetesberaterin hat bereits viele Betroffene begleitet. Manche vom Tag der Diagnose im Kindesalter bis zum Übergang in die Erwachsenendiabetologie. Eine davon ist Anna Mia Junker. Bei der ersten Beratung war sie 15 Jahre alt. Das ist jetzt fünf Jahre her. Anna Mia geht mit ihrem Diabetes offen um. Dabei nutzt die zierliche 20-Jährige, die in Hamburg Kommunikationsdesign studiert, eine eher ungewöhnliche Therapiekombination. Sie verwendet das rtCGM-System Dexcom G5 Mobile und spritzt Insulin mit dem Pen. Eine Insulinpumpe? Kann sich die Hamburgerin derzeit nicht vorstellen. „Das Spritzen mit dem Pen klappt gut, ich möchte kein zusätzliches Gerät am Körper haben.“ Alle 24 Stunden spritzt sich Anna Mia ein langwirkendes Basalinsulin. „Das mache ich immer abends, bevor ich ins Bett gehe.“

ICT und rtCGM
Viele Typ-1-Diabetiker kommen mit der Intensivierten konventionellen Insulintherapie (ICT) gut zurecht. Die Angst davor, zu unterzuckern, ist weit verbreitet. Anna Mia trägt seit drei Monaten das jüngste rtCGM-System von Dexcom und ist rundum zufrieden. „Ich kann damit alles machen. Duschen, schlafen, schwimmen, Sport treiben.“ Grund für den Antrag auf die kontinuierliche Messung war ihre Angst vor einer Unterzuckerung. Mit dem rtCGM fühlt sie sich sicherer. Bis zu sieben Tage lässt sie den Sensor, den sie am Oberarm befestigt hat, liegen. Das Pflaster hält und ist für sie gut verträglich. Mindestens zweimal täglich muss kalibriert werden. „Es kommt schon mal vor, dass mein Smartphone mich erinnert, aber meistens denke ich morgens und abends selbst daran.“ Die Werte überträgt der kleine Transmitter alle fünf Minuten auf Anna Mias iPhone. Wer Dexcom verwenden möchte und kein iPhone besitzt, kann den mitgelieferten mobilen Empfänger nutzen. „Follower werden“ kann man mit iPhone und Android-Gerät. So wie Anna Mias Vater, der schon mal anruft, wenn die Werte seiner Tochter zu hoch oder zu niedrig sind. Ob und mit wem man seine Daten teilen möchte, entscheidet jeder selbst. Es ist auch möglich, die Freigabe zeitweise ein- oder auszuschalten. „Manchmal möchte man einfach auch wissen, dass gerade niemand Zugriff hat,“ schmunzelt Anna Mia. Die Studentin hat inzwischen einen guten Überblick darüber, wie und worauf ihr Blutzucker reagiert. Schließlich lässt sich die Bewegung der Glukosewerte beinah in Echtzeit mitverfolgen. Sie weiß, wieviel kurzwirksames Insulin sie braucht, wenn sie zum Beispiel einen Café Latte und einen Snack zu sich nimmt. Und sie weiß, dass ein Glas Sekt am Abend dazu führen kann, dass sie nachts geweckt wird, weil zu niedrige Werte das Alarmsignal aktivieren. Für solche Fälle hat sie immer etwas zu essen neben ihrem Bett. Kürzlich hat sie sich eine Powerbank gekauft: Denn da das Smartphone als Empfänger und Alarm gleichzeitig fungiert, kann ein leerer Akku gefährlich werden.

Eine gute Sache
Für junge Menschen, die ohnehin 24 Stunden ihr Smartphone am Körper tragen, ist die Kombination mit Dexcom G5 Mobile eine gute Sache, sagt Janine Gerken. Noch immer betreut sie die junge Frau und kann durchaus verstehen, wenn Menschen sich durch eine dauerhafte Pumpenversorgung eingeengt fühlen. Ein rtCGM ist nicht so auffällig wie eine Insulinpumpe. Durch den Beschluss des G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss) im letzten Jahr ist es auch für ICT-ler einfacher, ein rtCGM-System zu beantragen. „Man muss dann eben wissen, wie die Werte zu interpretieren sind“, sagt die Diabetesberaterin. „Wann gibt es vielleicht noch Spielraum und wann ist es nötig, sofort gegenzusteuern. Das hat auch etwas mit Körperwahrnehmung und Erfahrung zu tun. Und nicht zuletzt mit einer guten Schulung!“

Kategorie: Produkte Pen-Therapie

Schlagwörter: Pen-Therapie | rtCGM | Therapieanpassung | Therapiewechsel

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