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Andrea, Amy und die Insulin-Patch-Pumpe

Diabetiker Warnhund

© Andrea U.

Es ist keine gewöhnliche Hündin, die uns neugierig beschnuppert, als wir das Büro betreten. Amy hat ein Diplom und eine wichtige Aufgabe noch dazu. Als „Diabetiker Warnhund“, wie es auf der Plakette an ihrem Halsband geschrieben steht, warnt sie ihr Frauchen Andrea U., wenn deren Blutzuckerwert Richtung Unterzuckerung in den Keller geht. Im Moment jedoch zieht sie sich wieder auf ihren Teppich hinter den Schreibtisch zurück. Der Blutzucker ist im grünen Bereich, und Amy hat frei.

Amy ist überall dabei
Wir treffen Andrea U. an ihrem Arbeitsplatz. „leben & wohnen“ heißt ihr Arbeitgeber, ein Eigenbetrieb der Stadt Stuttgart. „Hier im Neeffhaus leben wohnungslose Frauen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten“, erklärt sie uns. „Sie werden hier unterstützt und betreut.“ Seit dem Jahr 2000 arbeitet sie in der Verwaltung, teilt sich mit ihrer Kollegin einen Allround-Job: Abrechnung der Wohnheimplätze, Pfortendienst, Geldverwaltung. Hier ist viel zu tun. Die Atmosphäre ist freundlich und Hündin Amy herzlich willkommen. „Amy begleitet mich überall hin,“ erzählt Andrea U. „Nur in den Supermarkt darf sie nicht mit, weil ich mir die Diskussionen ersparen will.“ Frau U. nimmt kaum noch Anzeichen einer drohenden Unterzuckerung wahr, und Amy springt ein. Mit ihren feinen Sinnen bemerkt sie es, wenn der Blutzuckerwert unter eine kritische Grenze fällt, und stupst ihr Frauchen an, damit sie den Blutzucker misst und Traubenzucker auspackt. „Amy reagiert ab einem Wert von ca. 60 mg/dL (3,3 mmol/L)“, erzählt Frau U. „Dann bringt sie sogar das Messgerät.“ Das wollen wir sehen, doch auf das Kommando „Hol die Tasche“ schaut Amy ihr Frauchen nur fragend an. Weiß sie doch scheinbar genau: Hier ist gerade keine Gefahr im Verzug, also warum die Hektik?

Mit Insulin-Patch-Pumpe
Bevor Amy zu ihr kam, hat Andrea U. schon einen anderen großen Schritt getan: Sie ist von der ICT auf die Insulinpumpen-Therapie umgestiegen. „Ich habe seit 1998 Diabetes“, erzählt sie uns, „regelmäßig mit schwankenden Werten. Der Diabetologe hat immer mal wieder die Insulinpumpen-Therapie vorgeschlagen, doch da wollte ich nicht ran.“ Dann sah sie bei einer Weihnachtsfeier zum ersten Mal ein Kind mit der Insulin-Patch-Pumpe mylife OmniPod – und dachte spontan: „Die könnte ich mir vorstellen. Kein Schlauch. Das war für mich entscheidend. Wenn ich keine Patch-Pumpe mehr haben könnte bzw. dürfte, dann würde ich scharf überlegen, ob ich noch eine andere Insulinpumpe will“, meint sie. Seit etwa drei Wochen hat sie die neue Generation von mylife OmniPod mit dem kleineren und leichteren Pod und dem neuen Steuergerät (PDM). „Die erste Reaktion war: Ist der klein und unauffällig“, meint sie zum Pod. „Ich merke ihn jetzt viel weniger, weil er so leicht ist.“ Gerade rechtzeitig für Frühjahr und Sommer, findet sie. Wo man doch jetzt gerne wieder Kleider und T-Shirts anzieht. Ein weiterer Pluspunkt ist für sie das neue Fenster des Pods, durch das man die Einführungsstelle der Softkanüle immer im Blick hat. Die Daten aus ihrem alten PDM hat Andrea U. in den neuen übernommen, den sie von DiaExpert im kostenlosen Austausch bekommen hat. Etwas gewöhnungsbedürftig findet sie noch die neue Personalisierung des PDM, die der Sicherheit dient. „Man muss dem PDM bei jedem Einschalten bestätigen: „Hallo, das bin ich.“ Mit der Insulinpumpen-Therapie hat sich für Andrea U. etwas Entscheidendes geändert. „Früher hatte ich sehr häufig Unterzuckerungen, Bewusstlosigkeiten waren keine Seltenheit“, erzählt sie. „Mit der Insulin- Patch-Pumpe wurde das Empfinden besser, und ich habe jetzt deutlich weniger schwere Unterzuckerungen.“

Amy selbst ausgebildet
Nach und nach reifte in ihr der Entschluss, sich trotzdem einen Unterzucker- Warnhund als Begleiter anzuschaffen. Auch deshalb, weil ihre Töchter so langsam flügge werden und sie bald alleine leben wird. Ihr Diabetologe unterstützte den Plan. Eigentlich wollte Frau U. einen fertig ausgebildeten Hund übernehmen, doch die Nachfrage war so groß, dass sie mit sieben Jahren Wartezeit rechnen musste. So kam sie auf die Idee, den Hund selbst auszubilden, und fand im Internet professionelle Begleitung in Person von Jutta Schleehauf aus Nagold aus dem Hundezentrum CATU (www.hundezentrum-catu.de). Über sie kam auch Amy zu ihr. Die Hündin hatte als Welpe in einer Wesensprüfung bewiesen, dass sie als „Assistenzhund“ geeignet ist. Amys Ausbildung dauerte ein halbes Jahr, in dem Andrea U. und zwei weitere Frauen mit Diabetes mit Hund einmal pro Monat für drei Tage zu Jutta Schleehauf zum Training kamen. Für die Zwischenzeit gab es Hausaufgaben. Amy musste nicht nur lernen, Unterzuckerungen wahrzunehmen, sondern auch, ihr Frauchen Andrea als Chefin im Haus anzuerkennen. Selbst nach erfolgreicher Ausbildung muss das immer wieder trainiert werden, erzählt Andrea U. Amy erfüllt ihre Aufgabe jedenfalls sehr gewissenhaft, wie wir sehen, als Andrea U. den Notfall simuliert und sich auf den Boden legt. Sofort ist Amy zur Stelle und bellt laut um Hilfe. Dafür wird sie mit einem Leckerchen belohnt.

Kategorie: Erfahrungsberichte

Schlagwörter: Hypoglykämie | Hypohund | Insulin-Patch-Pumpe | mylife OmniPod | PDM

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